Mittwoch, 17. Februar 2010

Fasching im Café Ringelblume

Am Aschermittwoch ist alles vorbei – außer den ostdeutschen Impressionen der frühen Neunziger Jahre im Café Ringelblume, in welchem ich den gestrigen Faschingsnachmittag mit dem Dresdner Künstler Luc S. verbrachte und dabei Menschen beobachtete, die sich selbst anhand Erzgebirgischer Handwerkskunst beim Warten auf die Bahn den Kapitalismus erklären konnten, während drinnen nicht nur der Wein am Nachbartisch nachgeschenkt wurde, sondern auch die SuperIllu ihre Runde machte. Farblich passend zum Sitzensemble, das sich wenigstens dieses blaue Gesprenksel der geburtenschwächsten Jahrgänge verkniff, wählte ich den Zuckerguss meines Amerikaners, mein Hütchen aus einer Zeit, in der noch keine Schwibbbögen bei Bäckern oder Konditoren angeboten wurden, und mein von zu Hause mitgebrachtes Strickjäckchen. Draußen betrachteten Bürger in Ermangelung öffentlicher Verkehrsmittel aufmerksam die liebevolle Fensterdekoration. Zuerst flammte meist Freude in den Gesichtern auf, dass man sogar im Februar so ein riesiges Angebot von Gebirgsschnitzkunst erwerben kann, bis dann Geistesblitze das Phänomen von Angebot und Nachfrage wie von selbst klärten. Empirische Studien belegten, dass die Blicke nicht zu den ebenfalls ausgestellten hölzernen Osterhasen wanderten.
Unser Fazit: Ein Hoch auf das Café Ringelblume! Aber achten Sie bei Ihrem Besuch darauf, dass Sie sich nicht den kleinsten und total zerpanschten Amerikaner geben lassen, und vermeiden Sie überwiegend den Genuss von Pfannkuchen!
So gestärkt war ich nun bereit zur Winteraustreibung auf der Hauptstraße mit Frau Holle, Tim Schreiber und Krambambuli und dem puschligsten Stachelsaurus.

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